über die Bergkämme

Schlitzaugenheidi versus den Kepler Track

…oder auf den Spuren der Elben

29.01.-01.02.2015
Wow, was für ein Erlebnis… mehr als eine Woche später und ich bin immer noch überwältigt von dem Kepler Track. Der Kepler Track ist einer der neun Great Walks von Neuseeland und führt durch einen Teil des Fjordlandes der Südinsel. Wir hatten uns für die ca. 65km eine 4 Tages-Wanderung vorgenommen, wobei wir 1x im Zelt und 2x in einer Berghütte übernachten wollten.

Der 1. Tag startete vom Rainbow Reach Parkplatz Nahe der Stadt Te Anau und führte uns durch einen mit viel Moos bewachsenen Märchenwald entlang des Waiau Flusses zum Brod Bay Camping Platz. Der Waiau Fluss ist vielen Herr der Ringe Fans auch bekannt als der Anduin Fluss, da hier einige Szenen für die Herr der Ringe Trilogie gedreht wurde. Kombiniert mit dem Zauber des Waldes hatte man tatsächlich den Eindruck man befindet sich im Tolkienschen Elbenwald und hinter jedem Baum könnte uns ein Elb mit Pfeil und Bogen erwarten. Leider wurde die Strecke in den letzten 5km zusehends langweiliger, da der Wald ohne Moos seinen Reiz verlor. Der Campingplatz befand sich sehr romantisch am Te Anau See und wir konnten unser Zelt direkt mit Seeblick aufschlagen. Die Romantik verlor sich jedoch recht schnell als wir bemerkten, dass um uns gefühlte Millionen Moskitos und noch mehr Sand Flies rumschwirrten. Besonders unangenehm waren die aufgestellten Dixi-Klos, wo man nach einem kurzen Toilettengang direkt mehrere Moskitostiche am Allerwertesten hatte. Schnell verkrochen wir uns in unserem Zelt und beobachteten von innen die erfolglose Attacke der Insektenviecher auf unser Zelt von außen.
Fazit Tag 1: strahlender Sonnenschein, ca. 15,5km, 4:32 Dauer (inkl. Pausen), 558m aufwärts, 541m abwärts,

Am 2. Tag ging es im Wald direkt steil bergauf. Auch wenn der Wald an sich recht nett anzuschauen war, war er nicht so schön wie am Vortag. Vielleicht waren wir aber auch von der Steigung so angestrengt, dass wir die Schönheit des Waldes in diesem Teilabschnitt nicht ganz zu schätzen wussten ;) Im Unterschied zum sonnigen Vortag zog direkt am frühen Morgen ein Nebel auf, der den ganzen Tag anhielt. Daher hatten wir im Wald eine recht geheimnisvolle Atmosphäre, was die Wanderung dann doch noch etwas spannender machte. Als wir die Baumgrenze erreichten, war der Nebel leider nicht mehr ganz so optimal, da er uns die komplette Sicht versperrte. Die angekündigte Aussicht auf das Fjordland war nicht zu erkennen und auch das Tagesziel, die Luxmore Hütte, tauchte ganz plötzlich vor unserer Nase auf. Nach einer kurzen Mittagspause hatten wir noch üppig Zeit und so zogen wir nochmals los um die nahegelegene Luxmore Höhle zu besichtigen. Da die Höhle sehr dunkel, eng und extrem rutschig war, begnügten wir uns mit den ersten Metern und trauten uns nicht weit ins Innere. Von anderen hatten wir jedoch gehört, dass die Höhle noch mehrere Hundert Meter weit begehbar bzw. da sie teilweise sehr eng und tief wird bekriechbar ist. Am Nachmittag zogen noch mehr Wolken auf und es fing zusätzlich zum Nebel noch an zu regnen. Ich hoffte inständig, dass das Wetter sich bessern möge, da ich mich im Vorhinein auf den 3. Tag am meisten gefreut hatte.
Fazit Tag 2: Nebel, ca. 9km, 3:20 Dauer (inkl. Pausen), 1.218m aufwärts, 322m abwärts

Am 3. Tag war das Wetter auf unserer Seite. Zunächst regnete es noch, aber nach 10 Minuten Wandern klarte der Himmel auf, so dass wir eine gute Sicht auf das umliegende Fjordland hatten und den Rest des Tages trocken blieben. Ein paar Wolken blieben noch am Himmel, aber dies machte die Aussicht noch dramatischer und schöner als bei komplett freier Sicht. So machten wir uns frohen Mutes auf den 3. Tag des Tracks, der mein persönliches Highlight des Kepler Tracks war. Der Weg führte noch ein Stück weiter den Berg hinauf, vorbei an Berghängen bis zu einem langen Bergkamm. Über den Bergkamm zu laufen war ein atemberaubendes Gefühl. Die Aussicht in alle Richtungen war grandios und man wusste gar nicht, wo man als erstes hinsehen sollte. Wir hatten großes Glück mit dem Wind, da eine Windstärke von 100km pro Stunde hier nicht unüblich ist und sogar schon eine Windstärke von 180km pro Stunde erreicht wurde. Bei solchen Windstärken kann man sich jedoch nur kriechend entlang des Bergkamms hangeln, da sonst die Gefahr besteht, vom Berg geweht zu werden. Bei einer solch herrlichen Umgebung fiel uns das Wandern nicht schwer und wir hatten daher gefühlt in Windeseile die ersten 11km der Strecke hinter uns gebracht. Die letzten 6km der Etappe ging es in steilen Waldserpentinen den Berg hinunter bis zur Iris Burn Hütte. Nach der schönen Bergetappe konnte uns die Waldetappe leider gar nicht begeistern, da es sich hier auch um einen eher “gewöhnlichen” Wald handelte. Nachdem die Strecke nicht mehr ganz so schön war, merkten wir die Anstrengung in unseren Beinen und unseren Knien strengte das Bergab gehen extrem an. Ich persönlich bevorzuge daher das Bergauf gehen, auch wenn es anstrengender ist.
Fazit Tag 3: Bewölkt, ca. 17km, 6:35 Dauer (inkl. Pausen), 1.778m aufwärts, 1.406m abwärts

Tag mit 4 startete mit der Ansage des Iris Burn Hüttenwarts auf einen regenreichen Tag und so goss es nach 15 Minuten Wanderung in Strömen und sollte auch den Rest der Tour nicht mehr aufhören. Wir waren mit einer Regenjacke und Regenhose gut ausgerüstet und wanderten an unserem letzten und kilometertechnisch längsten Tag größtenteils im Wald, so dass wir den Regen nicht ganz so stark zu Spüren bekamen. Zudem freuten wir uns, dass wir am Vortag so viel Glück mit dem Wetter hatten und störten uns daher nicht an dem Dauerregen. Das Fjordland Neuseelands gehört zu den regenreichsten Gebieten der Erde, daher muss man hier leider immer mit Regen rechnen. Uns trieb die Vorfreude auf eine ordentliche Abendmahlzeit und eine lange, heisse Dusche raschen Schrittes voran. Die Schönheit des wieder bemoosten Waldes wussten wir dennoch zu schätzen und erfreuten uns daher an den letzten Kilometer unserer Wanderung.
Fazit Tag 4: Regen, ca. 23,50km, 6:25 Dauer (inkl. Pausen), 1.513m aufwärts, 1.336m abwärts

Einige Fehler hatten wir noch gemacht, wie z.B. Gewicht nicht optimal oder etwas zu wenig Essen dabei, aber im Vergleich zum Rinjani-Trekking war nicht nur die Aussicht, sondern auch das Wandererlebnis an sich, dieses Mal großartig. Ich freue mich bereits auf weitere Mehrtageswanderungen, sowohl noch hier in Neuseeland wie auch hoffentlich bald mal im europäischen Raum.
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Was Schlitzaugenheidi mag:
Konditionell hat mir der Track keine große Mühe bereitet und ich merke, dass meine sportlichen Aktivitäten in den letzten Monaten so langsam Früchte tragen.

Was Schlitzaugenheidi nicht mag:
Während ich bei der letzten Radtour Schmerzen in den Beinen und Knien während der Tour hatte, aber direkt danach weder Muskelkater noch sonstige Beeinträchtigungen hatte, plagen mit seit dem Kepler Track Schmerzen im rechten Knie, obwohl ich während der Tour selbst keinerlei Probleme hatte. Sehr seltsam…
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