Auf der Hochebene, inzwischen sind wir seitlich des Schicksalsberg ungefähr auf halber Höhe und man sieht an den hellen Pfade, wo andere zur Spitze aufsteigen. Wir verzichten jedoch darauf, da wir noch 2 weitere Tage Wanderung vor uns haben.

Schlitzaugenheidi versus Mordor

…oder auf dem Tongariro Northern Circuit rund um den Schicksalsberg

10.02.-14.02.2015

Nach ein paar Tagen Erholung in Queenstown ging es wieder auf die Nordinsel, wo wir uns schon sehr darauf freuten in Auckland Judith und Thorsten wieder zu sehen. Nachdem wir bereits im Vorjahr 4 Monate gemeinschaftlich unterwegs waren, wollten wir die verbliebene Zeit in Neuseeland nochmals zusammen reisen. Unser erstes großes Ziel nach der Reunion war eine Mehrtageswandertour im Tongariro National Park, für alle Herr der Ringe Fans auch als “Mordor” bekannt.

Der Tongariro Northern Circuit verläuft von Whakapapa Village in einem ca. 43km langen Track rund um Mt. Ngauruhoe, der durch Herr der Ringe als Schicksalsberg (eng. Mt. Doom) große Bekanntheit erlangt hat. Zunächst wollten wir die Gesamttour klassisch in 4 Tagen machen, entschlossen uns jedoch kurzfristig den 1. Tag auszulassen, da uns so ca. 9kg an Gewicht (Zelt, Isomatten, etc.) erspart wurde. Wir nutzten die gewonnene Zeit und fuhren zum Whakapapa Skigebiet hoch. Dort wurden rund um Mt. Ruapehu etliche Mordor-Szenen gedreht, z.B.

– Die Schlacht zwischen den Orks und der Gemeinschaft der Menschen und Elfen wurden auf dem dortigen Hängen und Parkplätzen gedreht.
– An der Meads Wall, einem Steinfelshügel, wurde die Szene gedreht, in der Frodo und Sam Gollum gefangen nehmen.
– Ebenso wurde in diesem Gebiet die Szene gedreht, in der sich Frodo und Sam in Emyn Muil verirren als sie einen Weg hinunter zum Schwarzen Tor suchen.

Am nächsten Tag ging es mit dem Shuttle und etlichen anderen Wanderern zum Mangatepopo Parkplatz. Dies ist der Startpunkt der berühmtesten Tageswanderung Neuseelands, dem Tongariro Crossing. Dies merkten wir auch anhand der Massen an Menschen, die mit uns per Shuttle Bussen ankamen und dann natürlich später den Pfad entlang liefen. Im Nachhinein bekamen wir von einem der Ranger die Information, dass zur Hochsaison teilweise bis zu 3.000 Menschen täglich diese Tageswanderung machen. Erstaunlich für uns hatten wieder einige nicht ganz so passendes Schuhwerk an, z.B. Flip Flops (welches wir auch bei der Rinjani-Wanderung schon gesehen hatten) und noch schlimmer teilweise kaum (z.B. nur eine 300ml-Flasche) oder auch gar kein Wasser dabei. Der Tongariro Crossing ist fast 20km lang und daher kam uns bei vielen die Menge an Wasser, gelinde gesagt, gewagt vor. Unser 1. Wandertag betrug ca. 16km, da wir von der Haltestelle etwas mehr zu laufen hatten als vom ursprünglich geplanten Zeltplatz. Zunächst verlief der Weg relativ flach bis wir vor dem Schicksalsberg waren. Ab dann ging es in 2 steilen Etappen Richtung Mt. Tongariro hoch. Da wir nicht absehen konnten, wie viele der Menschen um uns rum auch die Mehrtageswanderung machten, ging Marco vor um nach deutscher Manier unsere Betten in den großen Gemeinschaftsschlafsälen der Wanderhütten vor zu reservieren, denn wer als Letztes ankommt, muss sich teilweise Mitten zwischen fremde, schwitzende Menschen quetschen und darauf hatten wir alle wenig Lust. Dies liess Thorsten, Judith und mir die Luft, sehr gemächlich die Etappe zu gehen und ich konnte viele, viele Fotos der beeindruckenden Vulkanlandschaft machen. Kurz vor dem höchsten Punkt dieser Wanderung wurde es für ein paar Meter nochmals richtig steil und stark sandig, so dass ich mich stark an unsere Rinjani-Wanderung erinnert fühlte. Auch abwärts war es sehr ähnlich wie bei der Rinjani-Wanderung, da man tief in den Sand treten musste um einen sichereren Halt zu bekommen. Leider bemerkte ich beim bergab gehen, dass mir mein Knie noch von der Kepler-Wanderung sehr zu schaffen machte und ich war froh als die sandige Bergab-Passage schnell vorbei war. Leider ging es kurz nach den Emerald Lakes wieder ein ganzes Stück bergab und hier war ich dann sehr froh, dass wir etwas langsamer als sonst unterwegs waren, da mein Knie bergab immer mehr schmerzte. Zumindest zweigte unser Weg an den Emerald Lakes von dem Tongariro Crossing ab und Thorsten, Judith und ich waren schliesslich weit und breit die einzigen Wanderer auf unserer Route. Mit etwas mehr Ruhe und weniger Trubel konnte ich die Landschaft trotz Knieschmerzen doch noch etwas mehr genießen als vorher. An der Oturere Hütte angekommen, waren wir ganz froh, dass Marco bereits Betten für uns reserviert hatte. Mehrere Betten waren dieses Mal in der Gemeinschaftsküche und später ging das große “Ich will aber nicht, dass Fremde neben mir liegen”-Geschachere los und 2 Nachzügler, die schließlich die Rangerin um Hilfe nach 2 freien Betten bitten mussten, taten mir entsprechend leid.
Fazit Tag 1: sonnig, ca. 16km, ca. 6:30 Dauer (inkl. Pausen), ca. 817m aufwärts, ca. 692m abwärts

Der 2. Tag startete wieder sonnig und nach dem eher anstrengenden 1. Tag war dieses für uns eher ein kurzer Regenerationstag. Der Pfad führte uns durch Vulkansandwüsten Richtung Mt. Ruapehu, jedoch blieb der Schicksalsberg immer noch in guter Sichtweite. Da wir früh loskamen, hatten wir dieses Mal nicht die Sorge, dass wir zu spät an der nächsten Hütte ankommen würden und so konnten wir den Tag entsprechend zu viert bestreiten. Kurz vor der 2. Hütte ging es ein etwas steileres Stück bergab und in einem Waldstück bergauf bis wir schließlich an der Waihohonu Hütte ankamen. Da diese mit 4 Jahren noch recht neu und auch sehr geräumig ist, wird sie von allen nur “The Palace” genannt. Etwas Trubel kam hier abends auf als 2 Chinesen gegen ca. 19 Uhr ankamen und ihre 2 weiteren Begleiter um ca. 21 Uhr immer noch nicht auftauchten. Die Sorgen der beiden waren verständlicherweise groß und so verständigten sie entsprechend den Ranger. Dieser sprach sich mit den Verantwortlichen in Whakapapa ab und kurz darauf machte er sich auf die Suche nach den Vermissten. Glücklicherweise wurden diese kurz danach auf dem Weg gefunden. Das einzige Mädchen aus der 4er Truppe war leider nicht ganz wandererprobt und hatte auf der Strecke Whakapapa-Waihohonu Hut (die Truppe lief die Route in umgekehrter Richtung wie wir) große Probleme und brauchte daher mehr als 8 Stunden. Da die Truppe am Folgetag noch die steileren Passagen machen wollten (also Tag 1+2 von uns), fragten wir uns, wie viele Stunden das arme Mädchen wohl für den Rest der Strecke brauchen werden würde. Wir waren jedoch alle froh, dass für diesen Abend alle angekündigten Wanderer wohlauf in der Hütte angekommen waren.
Fazit Tag 2: sonnig, ca 9km, 2:55 Dauer (inkl. Pausen), 388m aufwärts, 644m abwärts

Am 3. Tag hatten wir zunächst mit etwas Regen und Nebel zu kämpfen, aber glücklicherweise lichteten sich die Wolken nach einer Weile wieder. Der letzte Tag führte uns wellenartig wieder zurück nach Whakapapa Village, dabei durchquerten wir hauptsächlich Buschlandschaften und kamen auch an den Taranaki Wasserfällen vorbei. Trotz der schönen Landschaft freuten wir uns darauf, dass dieses Mal am Ende des Tages eine heiße Dusche und auch ein richtiges Abendessen auf uns warteten.
Fazit Tag 3: leichter Regen, später sonnig, ca. 16km, 4:25 Dauer (inkl. Pausen), 590m aufwärts, 565m abwärts
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Was Schlitzaugenheidi mag:
Das Security System bei den Wanderungen mit Eintragen und Austragen vor und nach jedem Abschnitt ist sehr sinnvoll und wie wir letztlich dieses Mal feststellen konnten, werden auch entsprechend Schritte unternommen, wenn jemand aus der Liste fehlt.

Was Schlitzaugenheidi nicht mag:
Knieschmerzen beim bergab gehen, machen keinen Spass und Voltaren-Tabletten nehmen zu müssen auch nicht unbedingt. Von einer Freundin habe ich den Tipp bekommen, es beim nächsten Mal mit Kinesio-Tapen zu versuchen. Ich hoffe, dies hilft.
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